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Neugeborenes schläft auf Händen der Mutter.
Format: Artikel – Schreibfeder auf dem Tisch
Artikel

Mit Mundschutz und Mut im Kreißsaal

Autorin – Inken Harring-Andresen | Lesezeit: Etwa 7 Minuten

Erfahrungen und Gedanken einer Hebamme.
Ich sitze gerade in meinem Nachtdienst im Kreißsaal und es ist ganz ruhig. Heute Nacht keine Geburt oder vielleicht doch? So ist es im Leben: Vieles können wir machen, organisieren und planen, doch so manches eben nicht, so, wie es uns die jetzige Zeit – die Corona-Zeit – gerade beweist.
Hier ein persönlicher Erlebnisbericht über eine plötzliche Pandemie, großartige Eltern, Mundschutz und das Wunder des Lebens – die Geburt.

Coronavirus im Kreißsaal

Seit 23 Jahren übe ich nun meinen Beruf auf unterschiedlichste Art und Weise aus, doch das, was die Corona- Pandemie mit sich gebracht hat, habe ich so noch nie erlebt. Wir arbeiten 8 Stunden mit einem Mundschutz – zwischenzeitlich gab es gar keine mehr und wir mussten auf stoffgearbeitete Mundschütze zurückgreifen. Was da auf uns zukommen würde konnten wir nicht einschätzen. Wie groß die Infektionsgefahr für andere und für einen selbst war, blieb unklar. Trotzdem war klar, dass man arbeiten geht. Meine Arbeit als Hebamme fällt in die Kategorie: systemrelevanter Beruf.

Kinder werden geboren – Das Leben geht weiter

Doch darauf will ich gar nicht zu sehr eingehen, sondern ich möchte vielmehr von den großartigen Eltern  und ihren Kindern sprechen, die in dieser Zeit geboren wurden. Ja, man hört doch nicht einfach auf, Mensch zu sein trotz Lock-Down, oder…?
Da gibt es etwas, was so viel stärker ist, als die Angst und das Ungewisse der Zukunft. Es ist die Kraft der Liebe, die durch die Geburt eines neugeborenen Menschen alle Zweifel und Ungewissheit dem Leben gegenüber, quasi aus dem Weg räumt.

Ich weiß, dass bei einer Geburt nicht immer alles gut läuft, und auch vieles danach braucht Zeit, um zu heilen und sich im Leben neu zu integrieren. Doch ein gesundes Kind, ein neuer Erdenbürger, der unser Herz erfüllt mit seinem glanzvollen Sein und der reinen Kraft in seinem Herzen, lässt uns vieles schaffen, das wir vorher nicht für möglich gehalten haben. Ich will gar nicht zu pathetisch klingen, aber das, was gerade durch die Corona-Pandemie in unserer Welt geschieht, ist noch lange nicht wirklich greifbar. Dennoch werden in dieser Zeit Kinder geboren, wie eh und je.
Wir sind zwar alle etwas verkleidet mit unserem Mundschutz und sind deutlich mehr mit Einhaltung von Hygienevorschriften beschäftigt. Aber in den Stunden der Wehen der Frau und in der Zeit der Geburtsphase, fühle ich etwas, was absolut unberührt bleibt und auch zu allen Zeiten immer so war.

Grenzerfahrungen mit Körper, Geist und Seele

Das ist eine Kraft, die uns Menschen fortbestehen lässt und uns nicht immer wieder fragen lässt, soll ich oder nicht? Da gibt es stets diesen einen Moment, wo du denkst, es geht nicht mehr oder die Frau kann nicht mehr oder das Kind zeigt im Mutterleib an, dass es Stress hat. Bei fast allen Geburten ist es so, dass es den Menschen absolut herausfordert und er sich Situationen stellt – stellen muss –  die er so zuvor noch nie erlebt hat. Ich spreche hier nicht nur von Krisen oder Problemen bei Geburten, nein es sind einfach die fulminanten Begebenheiten auch von Glück oder Ergriffenheit, die uns als Mensch absolut und ganz und gar einnehmen auf allen Ebenen von Körper, Geist und Seele.
Menschen bekommen Kinder und das ist etwas, was uns ausmacht egal zu welchen Zeiten!
Wir sind dazu in der Lage, weil in uns etwas ist, was man fast als ‚unzerstörbar‘ bezeichnen könnte.

Mit Mundschutz und Mut im Kreißsaal

Doch was ist es, was uns als Menschen in diesem Sinne ausmacht? Ich versuche es mal auf meine Art und Weise zu erklären…
Als Hebamme bin ich die privilegierte Person, die einen neugeborenen Menschen das erste Mal berührt und jedes Mal ist es unglaublich, aber tatsächlich wahr. Ich weiß, wie sich der kleine Mensch anfühlen wird, den seine Mama noch unter ihrem Herzen trägt und ich weiß um diese unglaubliche Kraft, die von dem Kind ausgehen wird, das nun bald geboren wird. Ich bewundere die Eltern, die so folgerichtig mit Mundschutz vor unserer Kreißsaaltür stehen und froh sind, dass sie gemeinsam zu zweit hierbleiben dürfen. Als Paar, was unser Krankenhaus während des Lock-Downs und der strengen Hygieneauflagen erlaubt hat.
Eltern wissen gerade beim ersten Kind nicht, was auf sie zukommt und in Zeiten von Corona …erstrecht nicht!
Bei den Geburten erlebe ich zurzeit eine starke Entlastung bei den Eltern, wenn das Kind dann geboren ist. Im Austatsch mit meinen Kolleginnen beschreiben viele, dass der Druck und die Belastung durch die Ungewissheit seit Corona entsprechend stärker geworden ist.

Etwas bleibt, wie es immer war

Nun sitze ich hier, es ist mittlerweile 3 Uhr nachts und warte, falls doch noch jemand kommt. Ich schreibe diese Zeilen mit einem müden Kopf, aber einem wachen Herzen, denn jede Familie hat ein Recht auf ein herzliches Willkommen in dieser kleinen bzw. großen Welt eines Kreißsaals.
Jedes neugeborene Kind sollte gemeinsam mit seinen Eltern diese einzigartige Kraft der Liebe teilen von Beginn seines Lebens an, die man nur kennt und darum weiß, wenn man es schon mal erlebt hat durch die Geburt seines Kindes.

Wir hören nicht einfach auf, an das Leben, an das Gesunde und an die Kraft der Lebendigkeit zu glauben. Nein das tun wir nicht! Es ist wohl so, dass wir Menschen dies tief in unseren Genen bzw. in unserem kollektiven Bewusstsein oder auch in unserem Glauben verankert haben, über Äonen von Jahrtausenden hinweg. So glaube ich auch jetzt, dass es etwas gibt, dass uns stark und gesund sein lässt und das etwas bleibt, wie es immer war…

allgemeine Beratung

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Autorin – Inken Harring-Andresen

Dieser Artikel wurde von >>Inken Harring-Andresen verfasst. 
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