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Elternfrage

Wie helfe ich meinem Kind beim Trocken- oder Sauberwerden?

Autorin – Sandra Lößl | Lesezeit: Etwa 8 Minuten

Das Wichtigste zuerst: Trocken- oder Sauberwerden braucht Zeit – genauso wie das Gehen, Sprechen oder Essen. Viele Dinge, die für uns Eltern ganz selbstverständlich sind, muss euer Kind erst nach und nach erlernen. Beim Sauberwerden ist es ganz wichtig, dass euer Kind „soweit ist“. Wenn die Entwicklung deines Kindes muss reifen bis es bemerken kann, wann sich Stuhlgang oder Urin ankündigen.  Ihr als Eltern begleitet es dabei und seid das wichtigste Vorbild. Beim Trockenwerden ist das genauso wie z.B. wenn euer Kind lernt, selbstständig zu essen. Immer gilt: euer Kind braucht eure Unterstützung. Ihr helft ihm dabei, auf die Windel zu verzichten und das Töpfchen oder die Toilette zu benutzen.

Aber wie bei anderen Entwicklungsschritten gilt auch hierfür: das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ Sprich: mit Bestrafung oder Druck wird euer Kind nicht schneller trocken. Auch ein Töpfchentraining hilft nicht, wenn euer Kind noch nicht soweit ist.

Kleinkind sitzt draußen in blauer Wanne und spritzt mit Wasser.

Warum ein Töpfchentraining nicht hilft

Stell dir vor, du würdest von deinem ein- oder zweijährigen Kind erwarten, dass es klar und deutlich und in ganzen Sätzen mit dir spricht! Genauso wie beim Sprechen gibt es bestimmte Reifephasen, die es deinem Kind ermöglichen, die Entleerung seiner Blase oder seines Darmes zu kontrollieren. Hier hilft es nichts, wenn du stundenlang dein Kind auf dem Töpfchen sitzen lässt, denn dadurch kann es ja erst recht nicht spüren, ob es im Bauch grummelt oder ob die Blase drückt. Und erst recht lernt es nicht, wie lange man braucht, wenn die ersten Anzeichen auftauchen, um schnell zur Toilette zu rennen.

Klassische Sauberkeitserziehung ist out. Ein weiteres Argument: Studien haben ergeben, dass Kinder mit Töpfchentraining und Kinder ohne Töpfchentraining genau gleich lang brauchen, bis sie trocken sind. Die Mädchen sind häufig etwas schneller, aber insgesamt gilt: im Durchschnitt braucht ein Kind 33 Monate, bis es rund um die Uhr trocken ist. Der Durchschnitt tagsüber ohne Windel liegt bei 28 Monaten. Im Einzelfall kann dies aber immer abweichen, ohne dass du dir deshalb Sorgen machen musst.

Wie du dein Kind beim Sauberwerden unterstützen kannst

Trotzdem kannst du dein Kind beim Trockenwerden begleiten, genauso wie du es bei anderen Lernschritten unterstützt. Der Spruch: „Ach, das kommt doch ganz von alleine“ ist genauso wenig hilfreich wie das Töpfchentraining. Mache dir klar, beim Sauberwerden hilfreich sein kann:

  • dein Kind muss lernen zu erkennen, wann man zur Toilette gehen muss. Erst im Laufe des 3. bis 4. Lebensjahres (ganz selten schon im 2. Lebensjahr) ist dein Kind in der Lage, den Harndrang oder den Darm zu spüren und den Schließmuskel zu steuern. Überfordere dein Kind nicht, aber achte auf seine Signale und erkläre ihm dann was gerade passiert.
  • dein Kind muss ebenfalls lernen, wie lange es dauern kann, damit es rechtzeitig auf der Toilette ankommt und nichts in die Hose geht. Dennoch können immer wieder „Missgeschicke“ passieren. Hier ist es vor allem unterwegs wichtig, Ersatzwäsche dabei zu haben. Schimpfe nicht mit deinem Kind, denn es macht nicht absichtlich in die Hose, sondern ist einfach noch nicht in der Lage, die Dauer richtig einzuschätzen. Auch hier: sei geduldig mit deinem Kind und freue dich mit ihm, wenn es rechtzeitig den Weg zur Toilette geschafft hat.
  • besonders unterwegs oder in der Kita/bei der Tagesmutter muss dein Kind wissen, wo die Toilette ist, wie die Tür aufgeht etc. Wenn ihr gerade in der Übergangsphase seid kann es sinnvoll sein, dass du deinem Kind gleich zu Beginn z.B. im Restaurant die Toilette zeigst, falls es schon eigenständig dort hingehen kann. Meist ist an fremden Orten aber eine Begleitung empfehlenswert.
  • die Toilette selbst und die „Geschehnisse“ dort sollte dein Kind ebenfalls kennenlernen, um die Angst davor abzulegen. Du selbst als Vater oder Mutter kannst das beste Vorbild sein, denn Kinder sind neugierig und wollen wissen, wie „es“ geht: wie kann ich die Hose runterziehen (Leggings und Hosen mit Gummizug sind in der Übergangszeit empfehlenswert), wie setze ich mich hin (denkt an einen Toilettenaufsatz und einen kleinen Hocker), wie kann ich den Po abwischen (hier ist noch längere Zeit Hilfe nötig), wie funktioniert das mit der Spülung und mit dem Händewaschen. Wenn es für dich ok ist, nimm dein Kind auch mit auf die Toilette. Kinder finden es unheimlich spannend zu sehen, wie Eltern das machen.

Diese vielen Selbstverständlichkeiten lernt euer Kind nach und nach, indem ihr es liebevoll begleitet.

Warum Sauberwerden unter Druck nicht funktioniert

Vielleicht geht es dir auch so, dass du denkst: jetzt reicht es mit der Windel! Warum ist mein Kind noch nicht trocken? Bin ich eine schlechte Mutter/ein schlechter Vater? Auch hier hilft es sich klarzumachen, dass es mit Druck nicht besser geht, sondern das scheinbare, zu frühe Trockenwerden euer Kind überfordert und es eher dazu bringt, dass Vieles in die Hose geht – unangenehm für euer Kind. Wenn ihr euer Kind windelfrei erzogen habt, hatte es viele Monate Zeit für diesen Lernprozess. Wenn ihr aber über lange Zeit viel und regelmäßig gewickelt habt, geht das Trockenwerden nicht über Nacht.

Eine Zahl kann euch dabei helfen zu verstehen, wie viel Zeit ihr einplanen solltet, um euer Kind in dieser Übergangsphase ohne Strafen zu begleiten: ein Säugling gibt in den ersten Monaten innerhalb von 24 Stunden ungefähr 30mal Urin ab – ein Kind im 3. Lebensjahr immer noch etwa 10mal am Tag. Geht es deshalb langsam an, schiebt windelfreie Phasen ein, wenn ihr z.B. zuhause seid und ein Missgeschick schnell beseitigt werden kann. Zeigt eurem Kind die Toilette, lasst es mit euch gehen und z.B. die Spülung betätigen – so erobert es mit der Zeit auch in diesem Bereich seine Selbstständigkeit.

 „Ist dein Kind schon sauber?“ Ein Satz, der Eltern ganz schön unter Druck setzen kann. Natürlich wünscht man sich nichts mehr als ein Kind, das eigenständig auf die Toilette geht. Endlich keine Windeln mehr…
Wichtig ist jedoch, dass du diesen Druck nicht an dein Kind weiter gibst. Kinder wollen sauber werden. Sie haben ein eigenes Bestreben dazu und brauchen doch ihre Zeit dafür. Das eine mehr, das andere weniger.
Sinn und Zweck des „auf-die-Toilette-gehens“ ist den Darm zu entleeren, damit sich der Bauch wieder gut anfühlt. Das ist nichts wofür man gelobt oder im Zweifelsfall bestraft werden soll. Begleite dein Kind bei seinen Entwicklungsschritten und freu dich mit ihm, wenn es ihm gelungen ist. Geduld ist hier sehr hilfreich.

Autorin – Sandra Lößl

Dieser Artikel wurde von Sandra Lößl verfasst. 
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