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Elternfrage

Mein Kind hat starke Wutanfälle, wie soll ich reagieren?

Autorin – Melanie Schüer | Lesezeit: Etwa 4 Minuten

Wutanfälle von Kindern sind anstrengend und verwirrend – für das Kind selbst, das manchmal am Ende erschöpft zusammenbricht, aber auch für die Eltern, die ihr Kind in einer solchen Situation nicht wiedererkennen. Wutanfälle sind eine Begleiterscheinung der Trotzphase. Sie treten völlig unkontrolliert und manchmal aus heiterem Himmel auf. Manchmal kann man die Ursache für den Wutausbruch erkennen – Müdigkeit, Frustration – aber nicht immer. Besonders unangenehm sind Wutausbrüche dann, wenn das Kind so sehr von seinen Gefühlen überschwemmt wird, dass es andere Kinder/Geschwister schlägt oder Gegenstände zerstört. Warum gibt es Wutanfälle und wie kann man damit umgehen?

Kleiner Junge hockt auf der Straße und ist wütend

Wutanfälle sind Teil einer gesunden Entwicklung

Zwischen anderthalb und vier Jahren entdecken Kinder ihr eigenes Ich, streben nach Selbstständigkeit und wollen zeigen, was sie können. Dabei überfordern sie sich oft und sind entsprechend frustriert: ihre Arme sind zu kurz, um ein begehrtes Spielzeug alleine aus dem Regal zu holen, ihre Motorik ist nicht ausgeprägt genug, um schon selbst eine Strumpfhose anzuziehen u.v.m. Der Alltag eines Kleinkinds ist voller Situationen, in denen es etwas erkunden möchte, aber es alleine nicht schafft. Eltern sind jetzt als Unterstützer gefragt. Während Verbote oder Sprüche wie „Siehst du, ich habe es dir doch gesagt“ die Frustration eher erhöhen und Wutanfälle begünstigen, ist es besser dem Leitgedanken der großen Pädagogin Maria Montessori zu folgen. Ihr Leitspruch: „Hilf mir, es selbst zu tun“.

Auch die Hirnentwicklung eines Kleinkindes begünstigt Wutanfälle: die obere Hirnhälfte, die zuständig für Kontrolle, rationales Denken und Vernunft ist, ist noch nicht entwickelt. Erst mit etwa 25 Jahren ist die Entwicklung dieses Hirnbereichs abgeschlossen. Die Gefühle beim Kleinkind sind stark – und es hat ihnen noch nichts entgegenzusetzen.

Bei Wutausbrüchen richtig reagieren

Wutausbrüche von Kindern sind für uns Erwachsene auch deshalb schwer zu ertragen, weil sie unsere eigenen Gefühle aus uns herausholen. Plötzlich steigt auch in uns die Wut hoch; wir merken, dass wir uns nur mit Mühe beherrschen können. Hilflosigkeit, Ärger, Verzweiflung – starke Gefühle, die wir teilweise aus unserer eigenen Kindheit kennen. Um sie nicht unangemessen auf das wütende Kind zu übertragen ist es wichtig, gelassen zu bleiben. Lieber kurz den Raum verlassen, tief Luft zu holen, als sofort loszupoltern.

Was aber kannst du tun, besonders wenn getreten, gehauen und geschlagen wird? Das Wichtigste: ruhig bleiben! Lese bei uns Tipps um zu sehen, was du tun kannst, wenn dein Kind aggressiv wird. Mache dir immer wieder bei Wutausbrüchen deines Kindes klar, dass es das nicht mit Absicht tut. Dein Kind ist hilflos, frustriert, verzweifelt – auch wenn es sich vielleicht anders anfühlt. Deshalb nützt es auch wenig, wenn du selbst laut wirst und dein Kind bestrafst, denn es macht das ja nicht mit Absicht. Besser ist es, die Gefühle in Worte zu fassen oder Dinge auszuprobieren, die als „Blitzableiter“ funktionieren können: in ein Kissen boxen, einen Stoffball in die Ecke schmettern o.ä.

Wutanfälle treten manchmal auch dann auf, wenn dein Kind erschöpft ist. Denke darüber nach, ob euer Alltag zu hektisch ist, ob zu viele Eindrücke und Menschen auf dein Kind einwirken. Dann heißt es „weniger ist mehr“. Verbringt lieber einen ruhigen Nachmittag auf dem Spielplatz als einen weiteren Förderkurs zu buchen oder noch Spielfreunde einzuladen. Besonders wenn dein Kind tagsüber viel fremdbetreut wird, braucht es am Wochenende und abends eure Nähe und genug Entspannung – ganz ohne „Programm“. 

Autorin – Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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